Schmucktrends 2009 +++ Schmucktrends 2009 +++

Schmucktrends 2009


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Schmuck und Wertewandel in Zeiten der Krise

Schmuck hat sich seit Jahrtausenden stets in dem Spannungsfeld zwischen bloßer Statussymbolik und Ausdruck individuellen Geschmacks bewegt. Daran hat sich grundsätzlich bis heute nichts geändert, doch haben sich in letzter Zeit deutlich erkennbar die Schwerpunkte verschoben. Wie in vielen anderen Bereichen, haben die aktuellen wirtschaftlichen Verwerfungen auch hier Spuren hinterlassen. Oder besser gesagt: Sie haben einen bereits vor der sogenannten „Krise“ zu beobachtenden Trend verstärkt. Nämlich die zunehmende Besinnung auf sich selbst und das, worauf es in diesem Leben wirklich ankommt. Wurden bislang Lifestyle-Artikel wie Schmuck vorrangig gekauft, um damit die eigene Stellung nach außen hin zu unterstreichen, tritt seit einiger Zeit verstärkt ein anderer Aspekt in den Vordergrund – die Fragestellung: „Was sind eigentlich meine Bedürfnisse, was tut mir gut?“. Mit anderen Worten: Die Menschen kaufen vermehrt Dinge, die ihnen vor allem selbst gefallen und nicht so sehr, um mit ihnen zu gefallen.


Abkehr vom Purismus

Die Schmuckbranche trägt diesem Bedürfnis nach echter, gelebter Individualität in der kommenden Saison mit einer besonders breiten Angebotspalette Rechnung, die neben dem Zeitlos-Klassischen auch immer wieder mit Tendenzen überrascht, die mit ihrer Farbigkeit, Formensprache und Materialwahl auf das oftmals bestürzende Geschehen unserer Gegenwart reagiert. Ein Zeichen für diesen generellen Sinneswandel ist die allgemein zu beobachtende Abkehr von kantigen, puristischen Designs. Die jüngsten Umwälzungen haben die noch bis vor kurzem fast unangefochten herrschende designpuristische Doktrin des „Weniger ist mehr“ als letztlich hohle Phrase entlarvt. Denn alle vom Purismus gepredigten Paradigmen wie Einfachheit, Verlässlichkeit, Vorhersehbarkeit, Berechenbarkeit, sind von den dramatischen Veränderungen der vergangenen rund eineinhalb Jahre ad absurdum geführt worden: Unsere Welt ist eben alles andere als einfach, sondern ein äußerst komplexes Beziehungsgeflecht. Entwicklungen sind daher nicht ohne weiteres vorherseh- oder berechenbar, was die Menschen zunehmend verunsichert.

Die aus dieser Einsicht erwachsene Sehnsucht nach allem, was die „gute alte Zeit“ repräsentiert, hat ihre Blüten bereits im Bereich Möbel und Wohn-Accessoires getrieben bis hin zu üppigen neobarocken Inszenierungen. Die Schmuckhersteller reagieren auf diese verständliche Sehnsucht ganz überwiegend nicht mit bloßen Stilkopien, wohl aber mit mehr oder weniger deutlichen Anklängen an Vergangenes und Bewährtes. Wo die kühle Nüchternheit unserer Zeit abstößt, setzt die Branche verstärkt auf die romantische Wirkung klassischer Stilelemente, die allerdings im Zeitkontext neu interpretiert werden.

Insgesamt ist die Formensprache dieser neuen Schmuck-Generation deutlich weicher und verspielter, wobei öfter ein gewisser Hang zur Asymmetrie zu verzeichnen ist. Fast könnte hier der Eindruck einer Reminiszenz an das Rokoko entstehen, wenn die für diese Stilepoche typische verschlungene Ornamentik nicht weitgehend fehlte. Die Linienführung ist insgesamt klar und dabei doch gefällig. Eine Orientierung am späten Art Déco der 20er- und frühen 30er-Jahre ist auf dem gesamten Schmucksektor ebenfalls unverkennbar.


Spiel mit Farben und Materialien

Farblich spielt bei den Edelmetallen 2009 das Weißgold eine bedeutende Rolle, Gelb- und Roségold sind natürlich ebenfalls vielfältig präsent. Farbige Steine und deren Kombination liegen ebenso im Trend der neuen Saison, wobei die Modefarben des kommenden Sommers eine ungeahnte Vielzahl an Möglichkeiten eröffnen. Häufig sind beispielsweise Varianten mit roten und grünen Turmalinen sowie Amethyst, Citrin oder Granat zu sehen. Dominierend sind dabei kräftige Farben, während pastellige Töne sich eher auf dem Rückzug befinden. Auch der altbekannte Schwarz-Weiß-Kontrast gewinnt 2009 wieder an Bedeutung, nicht selten mit Einlagen aus Onyx, Kautschuk oder Karbon. Die Vereinigung edler und unedler Materialien in einem Schmuckstück kann dabei auch als Spiegelbild der großen globalen Gegensätze unserer Zeit aufgefasst werden. Der begonnene Trend zur Emaille wird in der kommenden Saison ungebrochen fortgesetzt und intensiviert. Oberflächen werden so zur kunstvollen Gestaltungsebene und dienen nicht mehr ausschließlich nur der Fassung.


Schrauben und Stecken – die neue Ring-Generation

Bei den Ringen werden in der kommenden Saison unzweifelhaft die bereits Ende 2008 aufgekommenen Schraub-Steckringe an Bedeutung gewinnen, deren ausgeklügeltes System eine breite Variationsvielfalt unterschiedlichster Ringkombinationen erlaubt und damit einen Grad an Individualität gewährleistet, der bislang undenkbar war. Das durchdachte System kann nach dem Baukastenprinzip beliebig erweitert werden und appelliert somit gleichzeitig an den menschlichen Spieltrieb wie auch an die Sammelleidenschaft. Es dürfte sich daher dauerhaft etablieren und ist sicher ein besonders gutes Beispiel dafür, dass Krisenzeiten eben auch Chancen beinhalten, die innovativ genutzt werden wollen.

Ketten an der langen Leine

Vielfalt herrscht 2009 auch auf dem Gebiet der Ketten vor. Neben der üblichen großen Auswahl an zeitlos schönen Standardketten, bietet die Branche eine Reihe von interessanten Trend-Produkten an, wie z.B. grobgliedrige Silberketten. Bei Goldketten ist ein gewisser Trend zu Hohlware und weitgliedrigen Schmuckstücken nicht zu leugnen, was direkt der angespannten Wirtschaftslage mit ihrem eingeschränkten Konsum- und Investitionsverhalten, aber auch den nach wie vor hohen Goldpreisen geschuldet ist. Kontrastierend hierzu ist insonderheit bei betuchten Zeitgenossen der Wunsch nach „gewichtigen“ Stücken zu vermerken, die Werthaltigkeit und -beständigkeit in unsicheren Zeiten augenfällig zum Ausdruck bringen.

In summa wartet das weite Feld der Ketten mit einer zuvor nicht gekannten Fülle von interessanten Trendlinien auf, z.B. außergewöhnliche Designs wie den reizvollen „organic look“, der sich durch eine an der Natur orientierte Oberflächengestaltung auszeichnet. Eine Richtung, die sich an all diejenigen wendet, die ein naturbezogenes Leben bevorzugen, gleichzeitig aber nicht auf die modernen Annehmlichkeiten und Luxus verzichten wollen. Die neue galvanische Beschichtungsmethode des „Ruthenierens“ ermöglicht weitere ansprechende Gestaltungsmöglichkeiten. So vermitteln etwa Ketten und Armbänder mit schwarz ruthenierten Elementen einen betont „coolen“ Eindruck. Dank raffinierter Verschlüsse lassen sich viele der neuen Kettenmodelle nahezu nahtlos verschließen. Auch das Zusammenhängen kürzerer Elemente zu den verstärkt nachgefragten langen Ketten ist so problemlos möglich. In lange Ketten werden zudem gerne großvolumige, dabei aber leichtgewichtige Elemente aus optisch interessanten unedlen Materialien eingearbeitet. Bei den bereits erwähnten leichten, weitgliedrigen Ketten finden sich häufig auf anmutige Weise eingefügte Perlen oder auch Farbsteine. Neu bei Maschinenketten sind ferner die sog. „Glückskette“ und die „Bubble chain“.


Stahlhart – Schmuck für selbstbewusste Männer und starke Frauen

Im Kommen ist weiterhin Männerschmuck für den selbstsicher auftretenden Herren: Armbänder, Anhänger und Ringe aus Titan oder Edelstahl, oftmals in Verbindung mit Kautschuk. Aber auch selbstbewusste Frauen werden sich mit Sicherheit von dieser „coolen“ Schmucklinie angezogen fühlen. Eine Parallele hat dieser Trend auf dem Uhrensektor, wo ebenfalls eine verstärkte Hinwendung der weiblichen Kundschaft zu eher maskulin gestalteten Modellen festzustellen ist.


Offen oder geschlossen – Kugelschließen im Aufwind

Bei den Schließen geht ein Trend zur Kugel, die zunehmend selbst zum dekorativen Element wird. War für diese Art Schließen bislang eine geschlossene Oberfläche charakteristisch, tauchen jetzt verstärkt solche mit kunstvoll gestalteten Durchbrüchen, Gitter- und Netzstrukturen auf. Bisweilen werden farbige Saphire verwendet, um glatte Oberflächen optisch reizvoll zu gestalten. Derart dekorativ, dürfen die neuen Kugelschließen ruhig etwas größer im Durchmesser ausfallen – bis zu
15 mm.





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