Samstag, 3. Dezember 2005, Nummer 280

Alles nur "aus Liebe zum Schmuck"

Werbekampagne für edles Geschmeide der Pforzheimer Jewellery Relations Group strahlt weit über Deutschlands Grenzen hinaus.




Will den Konsumenten das Thema Schmuck nahe bringen: Werbeagenturchef Claus Kuge
Foto: Gerhard Ketterl,

PFORZHEIM. Traditionell ist das Weihnachtsgeschäft für die Schmuckbranche einer der wesentlichen Umsatzbringer. Allerdings verlieren Preziosen als Geschenke in der Gunst der Verbraucher seit Jahren an Bedeutung.

Jeder dritte Deutsche möchte Weihnachtsgeschenke am liebsten abschaffen. Das besagt eine Umfrage des Hamburger Ipsos-Instituts. Für die Schmuckbranche und damit für die Arbeitsplätze in der Region um Pforzheim wäre das Umsetzen dieses Verbraucher-Wunsches eine arbeitsmarktpolitische Katastrophe.

Denn nach Auskunft von Hubertus Pellengahr, Sprecher des Hauptverbandes des Deutschen Einzelhandels (HDE), liegt der Umsatzanteil des Weihnachtsgeschäfts bei Schmuck bei weit über einem Drittel, gemessen am Jahresumsatz. Und damit sei klar: „Das Weihnachtsgeschäft entscheidet über das Wohl und Wehe der Branche.“

Zeit als neues Luxusgut

In der Region, insbesondere im Enzkreis und in Pforzheim, werden rund drei Viertel des gesamten deutschen Schmucks produziert. Sowohl der Bundesverband Schmuck+Uhren, wie auch Unternehmen, Kommunen und Gewerkschafter sind sich einig: Eine Abkehr der Verbraucher von diesem Luxusprodukt brächte die Region in weitere Turbulenzen. Schon jetzt hat der Strukturwandel in der Schmuckindustrie im letzten Jahrzehnt annähernd 8000 Jobs vernichtet. Der Branchenumsatz brach allein im vergangenen Jahr von rund 950 auf knapp 820 Millionen Euro ein. Und in der Werte- und Bedürfnisskala der deutschen Konsumenten fiel Schmuck von den vorderen Rängen auf Platz 28 zurück.

Laut Ipsos-Umfrage bevorzugt die Mehrzahl der Bürgerinnen und Bürger inzwischen ein anderes Luxus-Gut: Zeit. Immerhin 72 Prozent der Befragten antworteten auf die Frage, was für sie Luxus sei: „Über meine Zeit selbst bestimmen zu können.“ Es folgten Antworten wie „die besonderen Momente zu genießen“ (71 Prozent), „Zeit für mich alleine zu haben“ (56) oder „die kleinen Fluchten aus dem Alltag“ (53). Erst ab Platz acht in der Ipsos-Liste starten materielle Konsum-Wünsche wie „kaufen zu ! können, was immer ich möchte“ (49) oder „zeigen zu können, dass ich mir etwas leisten kann“ (16). Einen ähnlichen Trend gegen edles Geschmeide in Deutschland scheint auch die jüngste Umfrage des HDE zu bestätigen. Demnach war in den vergangenen Tagen die adventliche Einkaufsstimmung der Verbraucher gut, sagte HDE-Hauptgeschäftsführer Holger Wenzel. Indes: Zögerlich hätten die Kunden dagegen bei Schmuck und Uhren zugegriffen.

Den Negativtrend will die deutsche Schmuckbranche radikal umkehren. „Die Begehrlichkeit nach Schmuck muss gesteigert werden“, sagte Alfred Schneider, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Schmuck+Uhren mit Sitz in Pforzheim.

Schulterschluss der Branche

Vor zwei Jahren wurde deshalb die Jewellery Relations Group (JRG) gegründet. Eine GmbH mit Sitz in Pforzheim und mit Alfred Schneider als Geschäftsführer. Drei ehrgeizige Unternehmensziele sollen verfolgt werden: 1. Die Begehrlichkeit von Schmuck wieder auf die vorderen Plätze der Konsumentenskala hieven; 2. Die drastisch sich verändernden Schmuck-, Uhren- und Edelsteinmärkte in Deutschland positiv beeinflussen; 3. Für die gesamte Branche in den nächsten Jahren eine Umsatzsteigerung erreichen.

In diesem Bestreben gibt es einen Schulterschluss aller Schmuckschaffenden und deren Umfeld, angefangen von den Verbänden über Hersteller und Großhandel bis hin zum Einzelhandel.

Insbesondere der Einzelhandel: Für ihn hat die Pforzheimer Werbeagentur CKK! mit Inhaber Claus Kuge ein umfangreiches Image-Paket entwickelt. Dazu gehören Poster, Anzeigenvorlagen, Postkarten, Außenwerbung, Plakataufsteller und anderes mehr. Das gesamte Werbemittelpaket hat Kuge auf CD gebrannt, die bei der JRG erhältlich ist. Immerhin rund 1500 Händler haben im vergangenen Jahr die Daten-CD mit der ersten Kampagne angefordert, bilanziert Kuge im PZ-Gespräch.

Die Zahl der Interessenten soll für die Neuauflage 2005/2006 noch erhöht werden: „Wir haben inzwischen sogar Anfragen nach unserem Kampagnen-Material aus Belgien, Holland ! und aus der Tschechei“, freut sich der Werbemanager über die Resonanz. Bei allen Präsentationen geht es in der Kernaussage der Imagewerbung um die Frage, was Schmuck sei. Die Antwort: Klassisch. Oder glamourös. Oder verspielt.

„Wir haben bewusst keine Personen abgebildete sondern nur die beiden Elemente, die seit jeher zusammengehören, nämlich Schmuck und Mode“, sagte Kuge. Ebenso sei es gewollt, nicht den Schmuckstandort Pforzheim zu vermarkten, sondern ausschließlich die Produkte der Goldstadt. Kuge: „Jeder Einzelhändler, der auf irgendeine Art und Weise für Schmuck wirbt, der wirbt damit auch für Pforzheim.“ Und wozu all die Anstrengungen? Die JRG gibt in ihrem Firmenslogan die Antwort: „Aus Liebe zum Schmuck.“

"Gemeinsam werden wir es schaffen, die Schmuckbranche dorthin zu bringen, wo Schmuck als ältestes Kulturgut hingehört: auf einen der vordersten Plätze in der Bewustseins- und Bedürfnisskala" Claus Kuge, Inhaber der Werbeagentur CKK!

Weitere Infos im Internet unter:
www.ipsos.de
www.ckk-werbeagentur.de


Text: Gerd Lache, Wirtschaftsredaktion, Pforzheimer Zeitung

Abdruck: Mit freundlicher Genehmigung der Pforzheimer Zeitung


> Home